Winser Museumshof
Das Erlebnis in Winsen (Aller)

4 - Das Bauernhaus  (Den Audio-Guide finden Sie unten)

Hier befinden wir uns in einem sogenannten „niederdeutschen Hallenhaus“. Dieser Haustyp war seit dem Mittelalter in der ganzen norddeutschen Tiefebene verbreitet. Das Besondere: Mensch, Vieh und Ernte befanden sich unter einem Dach. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts baute man auf diese Weise. Unser Gebäude stammt aus dem Jahr 1653. 1982 wurde es an seinem ursprünglichen Standort abgetragen und hier neu errichtet.

Charakteristisch ist die Holzkonstruktion. Die senkrechten Ständer stehen auf Holzschwellen oder Fundamentsteinen. Sie bilden zwei Reihen, weshalb dieser Haustyp auch „Zweiständerhaus“ genannt wird. Auf den Ständern liegen die waagerechten Balken, die das Dach tragen.

Der wichtigste und größte Raum war die Diele oder auch Halle mit ihrem gestampften Lehmboden. Hier wirtschaftete man, drosch zum Beispiel das Getreide, nutzte den Platz aber auch für Familienfeiern. An den Seiten hinter den Ständerreihen befand sich das Vieh in den sogenannten Kübbungen und oftmals eine kleine Kammer für den Knecht oder die Magd, wie sie in unserem Haus zu sehen ist.

Durch das zweiflügelige große Tor, die „grood Dör“ oder auch „Missendör“, konnten die Erntewagen direkt ins Haus fahren.

Die seitliche Tür mit dem Fußabstreifer aus Eisen war die offizielle Eingangstür für Besucher. Diese gelangten so ins „Flett“, eine Art Wohnküche mit gepflastertem Boden, die die ganze Hausbreite einnahm. Die Schlafzimmer und die Stube lagen im hinteren Teil des Gebäudes hinter der so bezeichneten Howand.

Auf dem Dachboden lagerte man Erntevorräte, Stroh und Heu. Dort war es nicht nur trockener, es gab auch weniger Schädlinge. Der Rauch des offenen Herdfeuers zog nämlich durch das Obergeschoss ab. Daher auch die Bezeichnung „Rauchhaus“, denn dieses Haus hatte keinen Schornstein.

Das Hallenhaus bot ein Zuhause für sechs bis acht Menschen: das Bauernehepaar mit seinen Kindern, die „Altenteiler“, die den Hof an die jüngere Generation übergeben hatten, und einen Knecht oder eine Magd.

 




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