Gewebeherstellung


Einzug in Litzen und Kamm
Anknüpfen der Kette
Schiffchen mit Schussfaden
Anschlag Schussfaden
Am Webstuhl
 
 
 

Gewebe für Kleidung, Tisch- und Bettwäsche, Handtücher und anderes wurden auf vielen Bauernhöfen selbst hergestellt. Pflanzenfasern wie Flachs (Lein), Hanf oder Jute (wobei Hanf und Jute in dieser Gegend nicht angebaut wurden) mussten aus den Pflanzen in vielen Arbeitsschritten gewonnen werden. Die industrielle Entwicklung brachte es mit sich, dass Baumwollgarne eingekauft werden konnten und für das Aufbringen einer Kette auf den Webstuhl gewählt wurden. Sie ersparten viel Zeit für das Spinnen der sehr feinen, gleichmäßigen Kettgarne, dem so genannten "Uptöch". Für den Schusseintrag - "Inslag" - wurde nach wie vor der Flachs von Hand am Spinnrad gesponnen.

Um Stoffe für Kleidung zu weben, war auch Wolle sehr willkommen. Die Wolle der Schafe (die Haare der Heidschnucken) wurden nach der Schur sortiert, vielleicht gewaschen, gekämmt oder auch direkt versponnen.

Hier in Norddeutschland war es üblich, dass die Frauen sich mit ihren Spinnrädern im Dorf trafen. Bei diesen Spinnabenden entstanden die Fäden und Garne, die dann auf dem Webstuhl zum Gewebe verarbeitet wurden. Aus den kurzen Fasern oder Haaren wurde zunächst ein Faden gesponnen. Das kann mit der Hand geschehen, mit Handspindeln oder mit Spinnrädern.

Beim Spinnrad wird die Spindel, die sich in Lagern dreht, durch Riemenantrieb in Bewegung versetzt. Neben dem Spinnprozess wird hier der Faden gleichzeitig auf die Spindel gewickelt.

„Auf dem niedrigen Spinnstuhl sitzend, zupft die Spinnerin mit der linken Hand den Flachs für den Faden unten aus dem Wocken (gedrehtes Bündel aus Pflanzenfasern), wobei sie immer der Geschwindigkeit der Spule folgen und das Gefühl auf die richtige Stärke und Gleichmäßigkeit des Fadens in den Fingern haben muß… Sehr geübte Spinnerinnen brachten es zu der Fertigkeit, mit zwei Spindeln gleichzeitig zu spinnen. (aus: Wilhelm Bomann: Bäuerliches Hauswesen und Tagewerk im alten Niedersachsen. Hildesheim 1982)

Was ist ein Gewebe? Zwei Fadensysteme - Kett- und Schusssystem - werden miteinander verbunden, indem die Fäden des einen Systems die Fäden des anderen rechtwinklig in einer bestimmten, rhythmischen Folge unter- oder überspringen. Weben ist also das rechtwinklige Verkreuzen zweier oder auch mehrerer (von ausgebildeten Webern benutzt) Fadensysteme. Im einfachsten Fall wird der Schussfaden abwechselnd unter jeden zweiten Kettfaden geführt . Auf dem Rückweg wird der Schuss versetzt über jeden zweiten Kettfaden gelegt (Leinwandbindung).

Bevor aber gewebt werden kann, muss die Kette geschärt werden. Das Schären hat die Aufgabe, alle Kettfäden auf eine Länge zu bringen. Durch Fadenkreuz und Gangkreuz, die bei Schären gegriffen und auf die Zapfen des Schärbaums gelegt werden, bekommt jeder einzelne Kettfaden einen festgelegten Platz. Gleichzeitig werden Fadenanzahl und Farbfolgen bestimmt. Diese Ordnung der Kettfäden wird später auf den Webstuhl übertragen.

Im Webstuhl wird die Kette gebäumt. Alle Kettfäden werden in Litzen, die auf den Schäften sitzen, je nach dem gewünschten Bindungsmuster, zum Beispiel Leinwand, Köper oder Gerstenkorn, eingezogen. Im Webblatt, dem Kamm, laufen sie durch die Rietlücken, deren Abstände die Dichte des Gewebes festlegen.

Wenn Schäfte und Tritte miteinander verschnürt werden und die Kette straff gespannt im Webstuhl liegt, kann mit dem Weben begonnen werden. Jeder Tritt öffnet durch das Senken und Heben der Schäfte ein "Fach", durch das das Schiffchen mit der Spule geworfen wird und so den auf der Spule aufgewickelten Schussfaden einträgt. Das Gewebe wächst mit jedem Fadenschuss.

Nach den vielen, gewissenhaften Vorarbeiten ist der Eintrag der Schussfäden - "das Weben" - die Belohnung und Erholung für Weberinnen und Weber.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein war das Weben aber kein Hobby. Man stellt nicht nur die benötigten Stoffe selber her, sondern verkaufte auch gewebtes Leinen. Leinen war wegen der aufwendigen Herstellung wertvoll und wichtiger Teil der weiblichen Aussteuer.

Aus einfacheren Webgeräten haben sich die komplexen Webstühle entwickelt. Mit der zunehmenden Mechanisierung ging das Weben schneller, als das Garn mit dem Handspinnrad gesponnen werden konnte. Diese Arbeit übernahmen Spinnmaschinen. Mit der Einfuhr billiger Baumwollgarne oder bereits gewebter Stoffe wurde die Hausweberei verdrängt, die vielen Menschen einen Zusatzverdienst gegeben hatte.