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Der internationale Museumstag 2015

Der Winser Museumshof stellte historisches Handwerk vor

Spinnen
Gefärbte Wolle hängt zum Trocknen auf der Leine
Flößer bei der Holzbalkenbearbeitung
Schmieden solange das Eisen heiß ist
Wäsche waschen wie in alter Zeit

Selbst gesponnene Wolle auf natürliche Weise selber färben ist zwar ein altes Handwerk, aber nie aus der Mode gekommen. Das konnten die zahlreichen Besucher aus dem Celler Kreisgebiet beim Internationalen Museumstag in Winsen miterleben: Birkenblätter färben die frisch gesponnene Wolle zitronengelb. Mischt man diese Farbe mit etwas vom tiefblauen Indigo, wird die Wolle strahlend grün. In sieben großen Einweckkochern brodelte in Winsen die Färberbrühe. Dabei werden die Finger im Verlauf des Tages recht bunt.
Wer sich seine farbigen Hände abwaschen wollte, konnte das gleich auf dem Museumshof tun: Direkt gegenüber den Färberinnen wurde Waschlauge selbst hergestellt. Aus Buchenholzasche, die in einem Leinentuch aufgegossen wurde, entsteht eine kräftige Waschlauge. Die wurde auf dem Land aber nur für die große weiße Leinenwäsche benutzt. Seife war für die Landbevölkerung im 17. Jahrhundert zu teuer. Und Bargeld war äußerst knapp. Da das erste Waschmittel erst 1907 produziert wurde, haben sich die Landfrauen mit selbst gemachter Lauge geholfen. Die war sehr wirksam, wie man in Winsen miterleben konnte.
Für die Akteure auf dem Winser Museumshof und die Besucher aus der Region hatten die Bäcker den Ofen im Backhaus geheizt. Ab Sonntagmittag gab es kleines, leckeres Backwerk: Minipizza, süße Brötchen und Butterkuchen. Das war nicht nur für die zahlreichen Kinder eine Freude. Man erfuhr dabei, dass in unserem Gebiet Weizenmehl früher nicht verwendet wurde. Dafür war der Boden zu schlecht. Hier wurde Roggenbrot gebacken, oft für Wochen auf Vorrat. Weit verbreitet war Mehl aus Buchweizen, ein bis heute interessantes, gesunden Mehl aus einer Knöterichpflanze. Die Winser Buchweizen-Pfannkuchen sind sehr beliebt.
Überall traf man auf dem Museumshof auf die Winser Flößer in ihrer Tracht. Was machen Flößer auf dem Trockenen? Sie übernehmen die Arbeiten der Schmiede und Zimmerleute. Mit viel Fleiß und noch mehr Kraft wurde ans Werk gegangen: eiserne Flößerhaken und Kunstfertiges für Haus und Garten entstanden vor den Augen der Zuschauer. Ebenso hart arbeiteten gleich daneben zwei Zimmerleute. Sie schlugen aus einem langen Kiefernstamm nur mit Äxten einen Vierkantbalken für eines der Fachwerkhäuser.
Wesentlich ruhiger und weniger schweißtreibend ging es bei den Spinnerinnen und Weberinnen zu. Sie saßen im warmen Kutschenhaus. Mit großem Interesse an diesem alten Handwerk drängten sich die Besucher durch die engen Gänge um die Spinnräder und Webstühle. Und so manche Unterhaltung der arbeitenden Frauen blieb für die Zugereisten und Touristen unverständlich: Wer aber das Winser Plattdüütsch verstand oder nachfragte, konnte sich in ihre Gespräche einmischen.
Als zusätzliches Angebot für seine Besucher hatte der Winser Heimatverein an diesem kühlen Museumstag zwei Ausstellungen aufgebaut: eindrucksvolle Fotos über unsere Wälder und großformatige Bilder über die Arbeit der „Bäuerinnen im 21. Jahrhundert“.
Besucher und Veranstalter waren sich am frühen Abend einig: Der Internationale Museumstag in Winsen war ein voller Erfolg.